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Aus der Reihe „Begriffe aus der zauberhaften Welt der Onkologie/Hämatologie“ heute das Wort Rezidiv. Die Wikipedia klärt auf:
Der Begriff Rezidiv spielt bei der Behandlung von Krebs eine Rolle. Ursache ist meist eine unvollständige Entfernung des Tumors, die nach einiger Zeit zu einem erneuten Auftreten der Krankheit führen kann.
Vor dieser Situation stehen mein Kommilitone und sein Partner. Der Hirntumor konnte chirurgisch nicht vollständig entfernt werden, eine Chemotherapie zeigt nicht die erhoffte Wirkung.

So haben sich die beiden entschieden, dass beste aus der Situation zu machen. Jede Zeit zu nutzen und auf das gewisse, ungewisse Ende ihrer gemeinsamen Zeit hinzuleben. Kurzentschlossen haben sie sich trauen lassen – und feierten mit ihrer Familie, Freunde und Bekannten eine schaurig, schöne, bedrückt, heitere Hochzeit.
Ein paar Fotos vom Rheinweg in Basel:
Die Sonne genieße ich zur Zeit übrigens mit Lichtschutzfaktor 50+, da die Haut durch die Chemotherapie noch geschädigt ist. Mehr Infos zum Thema Sonnenschutz bei www.netdoktor.de
Letztens hat mich eine Freundin gefragt, wie ich denn mein Trauma behandeln wolle. Trauma? Welches Trauma? Und was ist ein Trauma überhaupt? Die Wikipedia führt dazu aus:
Als psychologisches, psychisches, seelisches oder mentales Trauma oder Psychotrauma (griech.: Wunde, Pl.: Traumata, Traumen) wird die Erinnerung einer Person an die Situation eines für sie seelisch einschneidenden Erlebnisses bezeichnet bzw. der seelische und / oder neuerdings auch der körperliche (z. B. auf Hirnstrukturen) Eindruck, den das Erlebnis in der Seele der betroffenen Person hinterlassen hat. Häufig wird auch stellvertretend die traumatisierende Situation selbst als Trauma bezeichnet. (…) Beispiele für Erlebnisse, die Traumata auslösen können, sind Gewalt, Krieg, Mord, Folter, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, körperliche und seelische Misshandlung, Unfälle, Katastrophen oder Krankheiten. Auch emotionale Vernachlässigung, Verwahrlosung, soziale Ausgrenzung, Zwangsräumung, Obdachlosigkeit oder Mobbing können zu einer Traumatisierung führen.
Aber wichtig dabei: Zu einer psychischen Traumatisierung kommt es, wenn das Ereignis die psychischen Belastungsgrenzen des Individuums übersteigt und nicht adäquat verarbeitet werden kann. Und eigentlich komm’ ich mit sechs Monaten im Krankenhaus, unkomischen Chemotherapien, körperlichem Verfall, Verlust der beruflichen Existenz etc. ganz gut zurecht.
Um mit dieser – sagen wir mal: schwierigen – Situation zurechtzukommen, habe ich mir eine Bewältigungsstrategie zurecht gelegt: Problem zur Kenntnis nehmen, Handlungsoptionen vergegenwärtigen und gegeneinander abwägen und entsprechend der Abwägung handeln. Danach kann das Ereignis einschließlich seiner Bearbeitung mit Schleifchen im Hirn abgelegt werden und bedarf keiner weiteren Beachtung.
Hört sich sinnvoll an? Finde ich schon. Anderer Ansicht sind da die Hardcore-Psychotherapeuten, die in dieser aktiven Verschiebung eines bewussten Erlebnisses eine Verdrängung sehen, die aufgearbeitet werden müsse – ansonsten drohe eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Konsequenz dieser (zugegebenermaßen stark vereinfachten) Theorie ist damit, dass irgendwie jeder Mensch behandlungsbedürftig ist.
Damit stellt sich für mich die Frage, ob man eigentlich auch durch Psychotherapeuten traumatisiert werden kann.
Anmerkung: Das Bild „Trauma: When Tigger Lost His Bounce“ wurde ursprünglich von gasboyben bei Flickr hochgeladen und steht unter der Creative Commons Lizenz.
Durch Zufall bin ich auf diesen Artikel von Stefan Niggemeier gestoßen:
Mit Mistelpräparaten gegen Krebs: Die ARD wirbt wieder für Pharma-Unternehmen
Vor dreieinhalb Jahren deckte der Journalist Volker Lilienthal auf, dass in Serien, die von ARD-Firmen produziert und im Ersten ausgestrahlt worden waren, jahrelang systematisch und rechtswidrig Schleichwerbung betrieben wurde. Gegen Geld konnten zum Beispiel Pharma-Unternehmen in der Krankenhaussoap „In aller Freundschaft“ ganze Handlungsstränge bestimmen. Bis zu 30.000 Euro pro Folge zahlten die Firmen dafür, dass zu bestimmten Krankheitsbildern passende Wirkstoffe genannt wurden.
Das war 2005 – zufällig dem gleichen Jahr, in dem die ARD damit begann, nachmittags die Telenovela „Sturm der Liebe“ auszustrahlen. Deren Handlung wird in diesen Tagen von der Leukämie-Erkrankung der Figur der Viktoria Tarrasch bestimmt. Oder genauer: von der angeblich viel versprechenden Wirkung von Mistel-Präparaten im Kampf gegen den Krebs.
Weitere Informationen und (grenzdebile) Dialoge aus der Telenovela sind im FAZ Fernsehblog: Mit Mistelpräparaten gegen Krebs – Die ARD wirbt wieder für Pharma-Unternehmen zu finden.
Nach zwölf Monaten Onkologie habe ich persönlich aufgehört zu zählen, wie oft mir Mistelpräparate, indianische Heilerde oder Kräutermischungen als Ergänzung oder Ersatz meiner Therapie von anderen Patienten empfohlen wurden. Ob sie helfen kann ich nicht bestätigen. Diese Patienten waren immer im Endstadium ihrer Erkrankung und hatten kaum noch Aussicht auf Erfolg der evidenzbasierten Therapien.
Ich kann auch nicht einschätzen, ob es sich um die vom Autoren behauptete Schleichwerbung handelt. Ich bezeichne es aber als zumindest grenzwertig, wenn die ARD in einer Nachmittagsserie einen Handlungsfaden einwebt, der mehr weniger als mehr unkritisch eine nicht anerkannte Therapie für eine lebensbedrohliche Erkrankung propagiert. Auch wenn sich die Protagonistin später doch für die Schulmedizin entscheidet.
Anmerkung: Das Bild “Mistletoe” wurde ursprünglich von der Richard Holden bei Flickr hochgeladen und steht unter der Creative Commons Lizenz.



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