Heute Nachmittag konnte ich diese junge Familie beim Ausflug beobachten:
Ich war gerade auf dem Weg zur Frankfurter Welle, einem Gebäudekomplex im Westend. Dieses städtebauliche Ensemble war (und ist) stark umstritten: Die Umgebung ist einerseits geprägt durch die Hochhäuser der Banken (Deutsche Bank, DG-Bank und dem gerade im Bau befindlichen Opernturm der UBS), durch die ehrwürdige Alte Oper, die Parks und Villen am Anlagenring, andererseits durch die Wohnbebauung der umliegenden Viertel.
2001 wurden die ehemaligen Gebäude der Metallgesellschaft abgerissen, zum Teil entkernt oder aufwendig renoviert und um zwei wellenförmige Baukörper ergänzt. Die ‘Welle’ findet sich aber auch wieder in einem sich durch das Ensemble ziehenden Wasserbecken, welches den vor mehr als einhundert Jahren kanalisierten Leerbach wieder zum Leben erweckt. Man kann die Welle als gelungene Verbindung zwischen Wohn- und Geschäftsvierteln auffassen, als spielerischen Übergang von Hochhäusern zu einem gehobenen Wohngebiet. Berechtigterweise wird aber eingewandt, dass die maßgeblich verwendeten Baumaterialien (Stahl und grün gefärbtes Glas) sich nicht in den umliegenden Gebäude wiederfinden. Die Anlage aber als „Pissoir royal“ (der Architekt Christoph Mäckler in der taz vom 22.04.2006) zu bezeichnen, ist aber dennoch verfehlt.
Am schönsten finde ich dort übrigens den ‘Wasserträger’, der an das Hamburger Original Hans Hummel erinnert.
Ganz spontan fielen mir auch die Enten während der Studienzeit in Hamburg ein. Mein ehemaliger Fachbereich (Rechtswissenschaften II) war in Pavillons in der Nähe der Alster untergebracht. In einem Innenhof haben sich dort Enten angesiedelt und gebrütet. Später haben Kommilitonen dem Entenpaar einen kleinen Teich angelegt, damit die Kücken vor dem Fliegen das Schwimmen lernen konnten. So konnte man aus dem Pausenraum der Bibliothek die kleinen Enten beim Planschen beobachten. Die Pavillons (es waren übrigens eher Baracken) wurden schon vor langer Zeit durch die Flügelbauten ersetzt.
Aber bevor Opa jetzt vom Krieg erzählt, beende ich diesen Blogeintrag ohne Schlusspointe.
Nach weiteren Recherchen im Internet doch noch eine Schlusspointe: Der Opernturm wurde von Christoph Mäckler entworfen. Auch dieses Gebäude wurde heftig kritisiert: nicht nur wegen seiner Höhe, die es an dieser Stelle monumental wirken lässt. Auch die Naturstein-Platten (Alte Oper) und die kleinteilige Rasterung der Fassade lassen das Gebäude wie die Kopie eines US-amerikanischen Hochhauses aus den 30er Jahren wirken. Bei genauerer Betrachtung erinnert es irgendwie an das Rockefeller Center in New York.

3 comments
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29. April 2009 um 9:18
Karin
Kommentar zum Bankenviertel.
Hallo Joern,
bei meinem Frankfurt-Aufenthalt im März lief ich durch das Bankenviertel. Ich fühlte mich unheimlich in diesem Bereich. Es war duster und ich war froh, als ich ein Taxi fand, um diesen unheiteren Ort zu verlassen.
Herzliche Grüße
Karin
29. April 2009 um 13:05
Constanze von Flottbek
Moin,
der Hummel gehört bestimmt zu denen, die nach der Aktion versteigert wurden – einer schaffte es bestimmt bis nach Frankfurt – in HH waren ja einige Banken „Hummel-Pate“ wie die Dresdner oder die DG HYP.
Leider sind auf der Seite nicht mehr die Figuren abgebildet, sonst wüssten wir, welchen Hummel Du fotografiertest. Mir kommt er zwar bekannt vor, aber nicht so sehr, dass ich sofort wüsste, wo er damals stand.
In diesem Sinne: Hummel Hummel
LG
CvF
2. Mai 2009 um 7:51
Jörn Meyer
@Karin
Es hat nie jemand behauptet, das Frankfurt schön sei. Okay, der Frank wohnt in einer schönen Ecke – aber der Rest von Bembeltown ist schon sehr speziell. Faszinierend ist das das Bahnhofs- oder Bankenviertel: eine skurrile Mischung aus Prekariat, Hochfinanz, Sex und Drogen. Vollkommen ungeniert koexestieren hier gutverdienende Bänker und Anwälte sowie stigmatisierte Sexarbeiter/innen und Drogenkonsumenten. Auf der einen Straßenseite sieht man Glaspaläste, auf der anderen baufällige Wohnhäuser mit Sanierungsbedarf. Sehr schräg. Und keinesfalls schön.