Ich habe gestern erfahren, dass bei einem ehem. Kommilitone ein bösartiger und unheilbarer Hirntumor diagnostiziert wurde. Dem Debakel geht ein einjähriges Leiden mit Kopfschmerzen, psychischen Veränderungen (Antriebsschwäche) und der Behandlung als Depression voraus.
Der Tumor wurde Ende November entdeckt, als sich sein Zustand am Wochenende dramatisch verschlechterte und er die Notaufnahme einer psychiatrischen Fachklinik aufsuchte. Der diensthabenden Ärztin erschienen die Symptome sehr uneindeutig und sie hat einen Neurologen hinzugezogen – der war sich nach 5 Min. sicher, dass es sich nicht ausschließlich um ein psychiatrisches Problem handeln würde. Ein CT und ein MRT brachten dann Gewissheit.
Er wird heute im UKE operiert. Eine Aussicht auf Heilung besteht bei ihm nicht, lediglich die Hoffnung einer kurzfritigen Lebensverlängerung und Verbesserung der Lebensqualität. Erkauft mit dem Preis hoher Risiken: eventuell werden bei der OP wichtige Gehirnregionen in Mitleidenschaft gezogen, die ihn sofort zu einem Pflegefall machen.
Angesichts seiner Situation bin ich schlichtweg sprachlos und scheine mit meiner onkologisch-hämatologischen Erkrankung noch ganz gut weggekommen zu sein.


7 comments
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16. Dezember 2008 um 6:58
kleeblumenkranz
Ich glaube das nennt man Ironie des Schicksals, oder? Da geht es einem selber schon so schlecht – denkt man zumindest – und dann kommt da einer daher dem geht es noch viel viel dreckiger. Eigentlich kann man nur für jeden Tag dankbar sein, den man auf diesem Planeten verbringen darf. Morgen schon kann man eine schlimme Diagnose gestellt bekommen. Ich bin ja da immer noch irgendwie optimistisch und hoffe das es zu einer spontanen Selbstheilung kommt oder sich jener Kranke als medizinische Sensation entpuppt, die die Ärzte verblüfft weil er ohne bleibende Schäden die Operation übersteht. Man wünscht niemandem, nicht mal dem schlimmsten Feind, solche Krankheiten. Ich hoffe ganz tief und fest das sich alles zum Guten wendet….
16. Dezember 2008 um 16:14
Claus
Naja, ob es da zu einer spontanen Selbsthoffnung kommen kann bei Gehirntumor und ob man da optimistisch sein sollte, weiß ich nicht. Und der Tod durch diese Krankheit ist wahrhaftig nicht schön. Mein ehemaliger Mitbewohner in Hamburg starb daran, Werner Borsbach. Und auch einer meiner Arbeitskollegen, Walter Queen. Beiden war das Hirn ihr Arbeitsinstrument: Walter war unser EDV-Mann (das war in der Bundesgeschäftsstelle der Deutschen Aids-Hilfe), und Werner war Redakteur und freier Übersetzer. Ich erinnere mich noch, als man ihn stützen musste beim Gehen. Danach war er dann gelähmt. Selbst das Ansehen des Verfalls war schlimm – um wie viel schlimmer dann der Verfall für den Betroffenen selbst!
Aber die meisten Todesarten sind qualvoll. Heute ging ich an einem Zeitungskiosk vorbei, und auf der Titelseite einer dieser Zeitungen, ich glaube, der BILD, stand, Horst Tappert sei – mit 85! – eines „qualvollen“ Todes gestorben. Und irgendwann, früher oder später, erwischt’s uns alle. Im übrigen denke ich, nicht nur die meisten Tode sind widerlicher Quälkram, sondern auch das hohe Alter als solches, wenn so nach und nach die Sinne und die Organe ihren Geist aufgeben.
Aber es gibt Ausnahmen. Mein Englischlehrer damals in Schleswig, der Herr Klawe, der starb im Alter von 78 Jahren an einem Herzschlag mitten im Tennisspiel, seinem Hobby von jeher. Mein Volksschullehrer, Herr Hoop (in dessen Haus jetzt meine Eltern ihr Altenteil verzehren) starb im Schlaf an einem Herzschlag. Ebenso mein Onkel Rudolf, allerdings schon mit Anfang 60. Seine Frau, meine Tante Helga, fand ihn morgens tot neben sich im Ehebett.
Sie stand monatelang unter Schock; der Gedanke, dass ihrem Mann ein beschwerliches Alter und ein qualvoller Tod erspart blieben, tröstete sie nicht; es hatte keinen Abschied gegeben. Der Film war mittendrin einfach abgebrochen, gewissermaßen.
Jörn, wenn Du Deinen ehemaligen Kommilitonen sehr magst, was man spürt, solltest Du jetzt „das alles“ aushalten und anbieten, Zeit mit ihm zu verbringen, ohne ihn zu stressen. Ich weiß nicht, wie nahe Ihr Euch seid. Aber vielleicht ist Zeit und „Nicht-Flucht“ jetzt fast das einzige, was Du ihm schenken kannst. Zeig ihm, dass Du ihn magst und dass er Dir wertvoll war und ist.
17. Dezember 2008 um 0:48
Jörn Meyer
Kleines Update:
Die Operation scheint sehr gut gelaufen zu sein, etwa 95 % des Tumors konnten entfernt werden. Durch den Eingriff sind keine Ausfälle in der Motorik erkennbar. Ob und wie erfolgreich der Eingriff war, stellt sich aber erst in ein paar Tagen nach weiteren MRTs und dem Befund der Pathologie heraus.
17. Dezember 2008 um 17:45
kleeblumenkranz
Also dann gibt es ja doch noch irgendwie Hoffnung….
17. Dezember 2008 um 21:07
Claus
Schön!
Hoffentlich ist der Mann jetzt nicht einsam, alles andere ist zweitrangig. Freundschaft ist wichtiger als Gesundheit, that was my point.
1. Februar 2009 um 20:56
Cafegeherin
Vielleicht gibt es ja doch noch ein wenig Hoffnung. Meine Tante hat nun schon seit 18 Jahren einen Gehirntumor (sie ist gerade 64 Jahre geworden), der in Abständen immer wieder „ausbricht“ und operiert werden muss. Sie hatte insgesamt bereits sieben Operationen, alle sind aber glatt verlaufen und sie lebt immer noch. Wenn sie nicht gerade operiert wird oder wurde, geht es ihr ziemlich gut und sie genießt ihr Leben.
31. Mai 2009 um 11:24
Rezidiv « Joerns Weblog
[...] dieser Situation stehen mein Kommilitone und sein Partner. Der Hirntumor konnte chirurgisch nicht vollständig entfernt werden, eine [...]