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Mein Geldbeutel wurde mir gestern nicht gestohlen. Ich habe ihn einfach nur verloren. Gestern Abend rief das Polizeipräsidium an, dass mein Portemonnaie samt kompletten Inhalt abgegeben wurde. Es wurde mir offensichtlich nicht gestohlen sondern ich habe es schlichtweg verloren. Freundlicherweise hat eine Polizeistreife es sogar noch nachts in meinen Briefkasten geworfen.
So muss ich heute nicht sämtliche Papiere neu beantragen und kann mich den Frage hingeben, ob ich
- mich als unfehlbar ansehe und eigene Missgeschicke grundsätzlich als Fehlbarkeiten anderer ansehe,
- gewisse Vorurteile gegenüber Randständigen pflege.
Die Leute sind einfach viel netter und ehrlicher, als man schlechthin denkt. Diese Erfahrung hat vor kurzem übrigens auch Michaela gemacht. So werde ich heute Nachmittag ein Dankeschön-Kärtchen an den Finder verschicken.
Ich bin mittlerweile wieder mal in Frankfurt. Die Ärzte im UKE haben ihr Okay für ein kleine Reisen gegeben – was ich sofort ausgenutzt habe. Mal wieder in der eigenen Wohnung (bzw. mehr oder weniger der Wohnung des Partners zu sein) ist einfach herrlich. Ausserdem kann ich hier solche schönen Dinge erledigen, wie zum Arbeitsamt gehen, mich um meine Schwerbehinderung (100 %, Kennzeichen G) kümmern oder mit Freunden treffen.
So auch heute Abend, wo ich mich mit einer Freundin auf dem Erzeugermarkt an der Konstablerwache getroffen habe. Man kann dort nicht nur seinen Kühlschrank mit regionalen Produkten füllen sondern auch leckere hessische Spezialitäten (z.B. Kartoffelwurst) essen. Gleichermaßen empfehlenswert für Frankfurter und Besucher.
In und um die U/S-Bahn Station Konstablerwache bekommt man auch alle gängigen Drogen. Und wo Drogen gehandelt werden, sind auch Drogenkonsument/innen nicht weit. Und damit auch Beschaffungskriminalität. Das ist in Großstädten so und damit kann man umgehen. Hab’ ich bisher auch von mir so behauptet. Bis mir heute mein Portemonnaie mit Perso, Führerschein, KFZ-Schein, Schwerbehindertenausweis, EC- und Kreditkarten, etc. gestohlen wurde.
Das einzig Gute an der Situation: den Verlust des Portemonnaie habe ich vor dem Geldautomaten festgestellt – und es war kaum noch Bargeld drin. Der morgige Tag ist dann mit dem Beschaffen neuer Papiere gefüllt.
Das von mir bearbeitete Foto basiert auf einer Grundlage von Yaffa Phillips und steht unter der Creative Commons Lizenz.
Heute ist mir wieder einmal so ein Moment widerfahren: dieser spontane Gedanke ‘Wie geil ist das denn!’. Wenn man zum Beispiel den gerade im Supermarkt erstandenen Almighurt Mandarine-Käsekuchen probiert oder sich das neue Video von Grace Jones anschaut:
Da werden Jugenderinnerungen wieder wach.
Breath to the rhythm,
Dance to the rhythm,
Work to the rhythm,
Live to the rhythm,
Love to the rhythm,
Slave to the rhythm.(Auszug aus Grace Jones, Slave To The Rhythm)
Die Schwarze, von der in den Achtzigern eine unglaubliche, nicht nur sexuelle Faszination ausging. Kaum zu glauben, dass diese Frau schon sechzig ist. Und kaum zu glauben, dass sie nach zwanzig Jahren ein neues Album herausbringt. Aber mehr zu lesen gibt es bei der FAZ, in der Intro oder in der Times.
Kleiner Nachtrag: Aber noch mehr zu lesen gibt es im Blog The Pinocchio Theory (sehr lohnenswert!), wo sich Steven Shaviro ausführlich Gedanken über dieses neue Video macht und es als konsequente Fortsetzung ihres bisheriges Werkes ansieht. Nicht nur aus ästhetischer, sondern gerade auch politischer Sicht
Eigentlich sieht im Moment alles super aus. Meine Blutwerte sind fabelhaft und ich fühle mich so gut wie seit Monaten, ja Jahren nicht mehr. Ich habe genug Sauerstoff im Blut um zu denken, zu gehen und zu laufen. Ja, wenn die Zeit knapp wird kann ich auch mal zum Bahnhof joggen, um den Zug noch zu erwischen.
Kann man sagen, damit wäre jetzt alles fein? Mitnichten. In den vergangenen Monaten fokussierte sich mein Leben auf Ungewissheiten: was für Krankheiten ich habe und wie man sie heilen kann. Und jetzt? Stellen sich ganz andere Fragen: Was mache ich aus meinem Leben? Und haben die Erfahrung mit der Krankheit mich verändert? Meine Lebenseinstellung, Prioritäten, Gefühle und die Bewertung von Werten gewandelt?
Hatte ich diese existentielle Frage scheinbar letzten Sommer geklärt, ist dieses Knäuel an Fragen nach der Transplantation wieder aufgetaucht. Dreh und Angelpunkt ist hierbei die Frage nach meiner Erwerbstätigkeit. Man mag dazu stehen, wie man will. Aber letztendlich läuft alles darauf hinaus, dass man arbeiten gehen muss, um den Kühlschrank zu füllen oder die Miete zu zahlen.
Aus einer Broschüre für Patienten nach einer Stammzelltransplantation:
Rückkehr zur Arbeit
Die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit ist für viele Patienten ein sehr wichtiges Ziel und der Beweis für die Überwindung der Krankheit. Wir raten Ihnen, sich je nach Ihrer Gesamtsituation sechs bis zwölf Monate Zeit zu nehmen, bevor Sie Ihre Berufstätigkeit wieder aufnehmen. Seien Sie trotzdem nicht untätig und beschäftigen Sie sich gedanklich mit Themen aus Ihrem Beruf bzw. bilden Sie sich weiter. Wenn Ihnen eine Rehabilitationsmaßnahme vorgeschlagen wird, nehmen Sie dieses Angebot an. Hilfe und Information erhalten Sie auch von unserem Kliniksozialdienst.
Meine bisherige Tätigkeit in Frankfurt liegt jetzt seit einem Jahr brach und kann kaum noch reaktiviert werden. Also sollte ich mich langsam um einen Job kümmern. Nur in ich in der Lage, weiter als Rechtsanwalt tätig zu sein? Sollte ich eine Anstellung als angestellter Jurist kümmern? Soll ich erstmal Teil- oder Vollzeit arbeiten? Oder sollte ich vielleicht etwas ganz anderes anfangen.
Und soll ich das in Frankfurt oder Hamburg? Und wie wirkt sich das ganze auf mein Privatleben aus?
Ich bin heute einer lustigen Software über den Weg gelaufen, die aus Digitalbildern Polaroid-Aufnahmen zaubert. Ich liebe Polaroids. Das waren die Digitalkameras der 70er und 80er. Surrend kam das Bild aus der Kamera heraus und ganz langsam entwickelte sich ein Bild – erst die Umrisse, dann die Farben. Als Kind war es faszinierend dies mit anzusehen. Da störte es auch nicht, dass die Farben eigentlich immer verwaschen waren. Aber auch später waren Polaroids noch ein echter Kracher: man konnte schon während einer Party sehen, wie scheiße man ausgesehen hat. Bei Flickr gibt es Gruppen, wo User nur Ihre schönsten (mittlerweile digitalisierten) Polaroids austauschen.
Letztes Jahre hat Polaroid die Produktion der Kameras eingestellt, bis 2009 sollen aber wenigstens noch Filme verfügbar sein. Aber für die Fans der verblassten Schnappschüsse gibt es zumindest eine digitale Alternative: Poladroid. Man wirft ein beliebiges Bild per Drag-and-drop auf die eingeblendete Kamera. Wie bei den echten Kameras gibt es dann ein Auslöser-Geräusch und nach einiger Wartezeit erhält man das gewünschte Sofortbild als JPEG. Um das Erlebnis so authentisch wie möglich zu gestalten, sieht man auch am Mac, wie das Bild langsam erscheint. Natürlich in verwaschenen Farben. Das habe ich sofort an mir und meiner Familie ausprobiert:
Sind die nicht alle scheußlich schön?







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