In der Ausgabe vom 11. August 2008 ist die F.A.S. unter der Überschrift Kalkulation der Gesundheitsbürokraten der Frage nachgegangen, was Gesundheit wert ist. Bezeichnenderweise fand sich dieser Artikel nicht im Feuilleton oder in der politischen Berichterstattung sondern im Wirtschaftsteil.

Manche sagen Richtigerweise, denn seit mehr als dreißig Jahren hat sich mit der Gesundheitsökonomie eine interdisziplinäre Wissenschaft herausgebildet, die sich mit der Produktion, der Verteilung und dem Konsum von knappen Gesundheitsgütern und mit der ökonomischen Seite der Gesundheitsversorgung beschäftigt. Der in Deutschland bekannteste Vertreter dieser Wissenschaftsrichtung ist übrigens Ulla Schmidts Allzweckwaffe Karl W. Lauterbach (der mit dem Abiturientenscheitel, der runden Brille und den putzigen Fliegen).

Aber noch mal zurück zu dem Artikel bzw. den Problemen der Gesundheitsbürokratie: angesichts der heutigen Hochleistungsmedizin stellt sich die böse Frage, wer das alles Zahlen soll. Und da die Mittel begrenzt sind, was bezahlt werden soll. In Deutschland ist für diese Entscheidungen das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen eingerichtet worden. Das IQWIG soll Empfehlungen abgeben, welche Medikamente bzw. Therapien für Patienten von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Grundlage dieser Empfehlungen sind Nutzen-Bewertungen der einzelnen Therapien bzw. Arzneimittel. Es soll das nützlichere gewählt werden, bei gleich sinnvollen das kostengünstigere.

Und hier beginnt das Dilemma: was ist medizinisch sinnvoll, was ist effizient?

Im Fall meiner Erkrankungen ist das nicht so ganz eindeutig. Denn das IQWIG hat sich in einer ersten Stellungnahme gegen allogene Knochenmarktransplantationen bei Aplastischer Anämie ausgesprochen.

Grundsätzlich befürwortete die IQWIG hierin eine Transplantation nur bei jungen Patienten, für die ein Familienspender zur Verfügung stand. Bei allen anderen Patienten mit einer Aplastischen Anämie würde sich angesichts der hohen Risiken einer Transplantation kein Vorteil gegenüber Immunsuppressions-Therapien bzw. supportive Therapien ergeben.

Ein Aufruhr ging durch die deutschen Fachkreise – insbesondere wurde der IQWIG vorgeworfen, die aktuellen Studien nicht zu bewerten und Patienten, bei denen alle anderen Therapien versagt hätten, von einer womöglich lebensrettenden Option abzuschneiden. Später ist das IQWIG zurück gerudert und hat eingestanden, dass die Datenlage nicht ausreichend sei und empfahlen weiterhin im Rahmen von klinischen Studien zu transplantieren. Auftraggeber dieser Studien waren die gesetzlichen Krankenkassen, die – so wird gemunkelt – eine zu häufige und unnütze Anwendung der teueren Knochenmarktransplantation in Deutschland vermuten. Schließlich kostet so eine Transplantation jedes mal ca. 150.000 € – bei einem erfolgreichen Verlauf noch einmal 100.000 € für die lebenslange Überwachung. Ein Batzen Geld.

Sind zehn, zwanzig, dreissig Jahre 250.000 € Wert? Jetzt beginnen aber die Probleme: was ist mit den etwa 30 % der Patienten, die im Laufe ihrer Erkrankung auch noch eine PNH entwickeln? Diese müssen dann zusätzlich zu der Immunsuppressions-Therapie mit ATG/ALG auch noch Soliris nehmen – zum Schnäppchenpreis

In Großbritannien ist das ganz einfach, dort gibt es klare Zahlen: eine Therapie darf maximal 30.000 € pro gewonnenem Lebensjahr kosten. Die Transplantation wäre damit für mich drin, da aie mir ein – verkürztes, aber min. 10 jähriges – Überleben ermöglicht. Wäre auch Soliris drin? Schwer zu sagen: denn mit 35 hätt’ ich ohne Transplantation noch etwa 10 Jahre zu leben. Das wär’ dann schon über dem Limit.

Da ist eine Transplantation schon ein echtes Budget-Angebot.