Ein potentieller Spender mit einer Übereinstimmung aller zehn Gewebemerkmale wurde gefunden; sofern er sich für eine Stammzelltransplantation bereit erklärt und keine gesundheitlichen Gründer bei ihm dagegen sprechen werde ich voraussichtlich Ende August/Anfang September transplantiert.
Ich hatte seit Ende April genügend Zeit, mich mit der Idee anzufreunden und für diese Behandlung zu entscheiden. Bestärkt bin ich aber auch durch die nunmehr vorliegenden Behandlungszahlen der KMT-Station des UKE für 2007:
- 147 Stammzelltransplantationen
- 100 Transplantationen bei Leukämie
- 42 Transplantationen bei lymphatischen Erkrankungen
- 90% 5-Jahres-Überlebensrate nach Transplantation bei Aplastischer Anämie
- 70% 5-Jahres-Überlebensrate nach Transplantation bei Myelofibrose
- 70% 5-Jahres-Überlebensrate nach Transplantation bei akuter Leukämie
- 35 Tage mittlere stationäre Verweildauer
- 5.000 ambulante Kontakte
- 254 stationäre Patienten
- 19 Betten
Ich bin mir auch darüber klar, dass die Behandlung schief gehen kann oder dass ich eine chronische GvHD bekomme. Aber gewisse Risiken muss man einfach eingehen.
Die Entscheidung ist damit getroffen.
Und wo wir gerade beim Thema ‘Statistiken’ sind: Durch Zufall bin ich auf Zahlen aus Amerika gestossen, die mehr als beunruhigend sind:
- Die Häufigkeit von Krebs-Erkrankungen bei jungen Erwachsenen hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren auf nunmehr fast 70.000 Erstdiagnosen verdoppelt.
- Die Krebs-Überlebensrate ist für junge Erwachsene (18 – 40 Jahre) in den vergangenen 30 Jahren nicht gestiegen.
- Etwa 10.000 junge Erwachsene sterben jährlich an Krebs.
- Junge Erwachsene sind überaus häufiger von sozialer Isolation als Kinder oder ältere Patienten betroffen.
- Die Medizin ist weitgehend nicht auf die langfristige medizinische und psycho-soziale Behandlung junger Erwachsener eingestellt.
Krebs wird durchweg als Krankheit angesehen, die entweder im Kindesalter (< 15) oder späteren Erwachsenenalter (> 50) auftritt. Die Altersgruppe dazwischen erscheint in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit (und damit der Forschung, den Kliniken) nicht vorzukommen. Persönlich fiel mir das am meisten in der onkologischen Ambulanz auf: wenn ich den Warteraum betrat, musterten mich die anderen Patienten eingehend und schienen sich zu fragen, wo ich denn meine an Krebs erkrankte Mutter gelassen habe.
Entsprechend sehen auch in Deutschland die Hilfs- und Freizeitangebote für Krebspatienten aus: Zielgruppe 50plus. Auf Nordic-Walking, Standard-Tanz oder Töpfern-gegen-den-Krebs hab ich echt keine Lust.
Schön auch der Gedanke an eine Reha-Maßnahmen nach der Transplantation: Mein absoluter Albtraum ist, nach sechs Wochen in Isolation auf der KMT-Station im Oktober auf eine nette Nordseeinsel zu kommen. Ich habe wenig Lust, eine evtl. aufflammende GvHD von einem Badearzt behandeln zu lassen oder mich mit anderen onkologischen Patienten über Inkontinenz und Sexualität nach Prostata-Entfernung zu unterhalten.
Aus diesem Grund habe ich heute beim Krebsinformationsdienst (KID) angerufen: Die freundliche Mitarbeiterin musste herzlich lachen als ich ihr meine Befürchtung beschrieb und teilte meine Bedenken – eine ‘passende’ Klinik hatte sie aber leider nicht an der Hand. Da hoffe ich mal, dass der Sozialdienst des UKE ‘ne gute Idee hat.
Anmerkung: Das Bild ‘Reha’ ist dem Flickr-Album von Karin Fischer entnommen und sthet unter der Creative Commons Lizenz.



4 comments
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17. Juli 2008 um 8:58
Leidensgenosse
GLÜCKWUNSCH!!!!
Endlich!! Er hat “ja” gesagt!!! ;o)
Ich denke, dass es die richtige Entscheidung sein wird!
Was die Auswahl der Reha-Klinik angeht, frag doch einfach auch mal bei der DKMS an. Die haben dort mehr als genügend Spezialisten, die sicher auch Tipps haben.
Ich persönlich hab mich in der “Klinik für Tumorbiologie” in Freiburg sehr wohl gefühlt.
OK, etwas abseits von Hamburg, aber sicher eine Überlegung wert.
Zu meiner Rehazeit waren auch 4 “Jugendliche” (äähemmm… eher junge Erwachsene, ca. 30-40 Jahre) da und es sind nicht nur Frauen nach der BrustkrebsChemo.
Aber sicher gibts auch ne nette Fachklinik im Norden.
Liebe Grüsse (diesmal auch von meiner Mutter…),
Frank vom Zoo
18. Juli 2008 um 0:02
Jörn Christian Meyer
Kleiner Artikel zum Thema:
Too Young for This: Facing Cancer Under 40
By AMANDA SCHAFFER, New York Times, January 30, 2007
Cancer is less common in adolescents and young adults than in older people. But in some ways it is more alarming.
18. Juli 2008 um 0:04
Jörn Christian Meyer
@1
Ja, Du hast mir seit Monaten in den Ohren gelegen und hattest recht. Grüß schön zurück!
Bei Gelegenheit Käffchen und Sahnetorte in Frankfurt? Ich soll in den nächsten vier Wochen noch min. 6 Kilo zunehmen.
18. Juli 2008 um 23:35
Jörn Christian Meyer
Weitere Statistiken:
Weiterlesen bei der Süddeutschen: Überleben als Frage der Geographie von Werner Bartens (SZ, 18.07.2008).