Es gibt verschiedenste Gründe, warum man nicht zu McDonald’s essen geht:

  • dort werden heilige Kühe geschlachtet (Hindus),
  • es gibt dort auch Fisch und Geflügel auf dem Menü (Veganer),
  • die Mitarbeiter werden ausgebeutet (Gewerkschafter)
  • McDonalds schädigt die Umwelt (Ökologen),
  • es passt nicht in den Diät-Plan (Brigitte-Diät),
  • das Unternehmen in China tätig ist (Tibet-Fans),

Sehr schön auch der Grund, den uns die junge Linke Nord gibt, indem marxistische Theorien und hedonistische Gastrosophie verbunden wurden:

Das Essen, das über die Theke wandert, ist nicht konzipiert worden um der menschlichen Genussfähigkeit neue Dimensionen zu eröffnen, sondern um damit Profit zu machen. Vom Einkauf der Rohstoffe, über die Lagerung, Produktion, bis zur Aufbereitung, alles soll möglichst billig sein. Genuß wird als sekundäres mitgeschliffen; er kommt nur in soweit in Betracht, als daß irgendjemand das Essen auch essen wollen muß, damit es verkauft werden kann. So ist das im Kapitalismus. Allen Unternehmen nicht nur den gastronomischen geht es um die Erwirtschaftung von Profit.

Aber den schönsten Grund liefert die American Family Association (AFA). Denn McDonald’s beteiligt sich am Kulturkrieg und sich als Kombattant auf die Seite der – man mag es kaum aussprechen – Homosexuellen geschlagen!

Die AFA, ist eine US-amerikanische, christliche Organisation, die von Firmen die Einhaltung gesellschaftlich konservative Werte einfordert. Aktuell ruft sie ihre 150.000 Anhänger auf, McDonald’s zu boykottieren, und zwar nicht weil

  • McDonalds Homosexuelle anstellt,
  • bei McDonald’s Homosexuelle speisen,
  • oder die homosexuellen Angestellten wie Heterosexuelle behandelt werden.

Grund ist vielmehr, dass McDonald’s als Unternehmen vor einigen Monaten dem National Gay and Lesbian Chamber of Commerce beigetreten ist. Dabei handelt es sich um eine Organisation, die von Schwule und Lesben geführte Unternehmen bzw. Unternehmen die diese als Kunden haben, unterstützt. Ganz klar, es geht hier um mehr:

It is about McDonald’s, as a corporation, refusing to remain neutral in the culture wars. McDonald’s has chosen not to remain neutral but to give the full weight of their corporation to promoting the homosexual agenda, including homosexual marriage.

Culture wars? Wie bitte? Was steckt hinter diesem Kulturkrieg? Adrian hat es bei Gay West im Beitrag “Buletten statt Schwuletten” treffend zusammengefasst:

Die berüchtigte “homosexuelle Agenda” ist, wie wir alle wissen, unser Meisterstück – der, durch den zuckersüß vorgetragenen Ruf nach Akzeptanz, getarnte Plan, Gott zu töten, die Heterosexualität auszurotten, Familien zu zerstören und anschließend die Kinder zu verspeisen. Das McDonalds bei dieser perfiden Aktion mitmacht ist für die Heteros zwar bedauerlich, zeigt aber die Macht der Schwulen im globalen Kontext, die jetzt auch schon den Kapitalismus instrumentalisieren, um ihre zerstörerischen Ziele zu erreichen.

An sich könnte man das jetzt als typisch US-amerikanische Absurdität abtun. Hübsch wäre auch ein gemeinsamer Sitzstreik der Bremer Linken zusammen mit den Hütern der Familienwerte vor einem Schnellrestaurant. Wenn sich nicht dieser dezente Hinweis, dass Ford nach einem ähnlichem Boykott die Werbung in schwul-lesbischen Medien eingestellt habe, in einem Artikel der Washington Post fände.

Anmerkung: Das Foto mit den Fritten ist von Mark aufgenommen worden und steht unter der Creative Commons Lizenz.