Gestern habe ich mich mit zwei alten Freunden in Hamburg getroffen. Kaffeetrinken, Klatsch- und Tratsch austauschen und nach sechs Monaten vergleichen, wer am meisten abgenommen hat (eindeutiger Sieger: ich). Irgendwie sind wir auf das Thema ‘perfekte’ Geburtstagsgeschenke gekommen.
Der eine Freund berichtete von einem Bekannten aus Berlin, der seinem Partner den Katatlog zu der Marc Rothko Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle schenkte. In das Buch legte er eine Bahnfahrkarte 1.-Klasse und schrieb hinein: ‘Viel Spaß beim Besuch der Ausstellung – eine Unterkunft habe ich für uns beide auch schon gebucht.’ Ich dachte insgeheim, das dies eine wirklich schöne Idee sei. Die abstrakten Gemälde von Rothko laden einfach dazu ein, lange vor Ihnen zu verweilen und sie gemeinsam zu genießen.
Der andere Freund erzählte, was er kürzlich seinem Partner zum Geburtstag schenkte: einen Abend im S/M-Studio eines Bekannten. Da ihm dies allein etwas zu langweilig erschien, hatte er sich noch eine ganz besondere Überraschung ausgedacht: er hat einen Dritten dazu eingeladen. Pikanterweise einen Ex-Lover seines Partners. Weil er wusste, dass sein Partner immer noch mal Sex mit diesem Ex-Lover haben wollte. Und diesen Gefallen, wollte er ihm nun bereiten. Seiner Aussage zu Folge, sollen die drei einen vergnügten Abend gehabt haben.
Im ersten Moment ist mir ehrlich gesagt die Kinnlade heruntergefallen. Im zweiten Moment habe ich mich gefragt, ob ich eigentlich spießig bin.
Ich glaube schon.
Anmerkung das Foto ‘Christopher + Rothko’ stammt aus dem Flickr-Album von Eric Wilcox, das Foto ‘S/M Christmas Toy’ wurde von Sharyn Morrow aufgenommen. Beide Fotos stehen unter der Creative Commons Lizenz.



4 comments
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15. Juni 2008 um 20:10
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Um einmal kurz die Perspektiven gerade zu rücken. Ich kann mich an unglaubliche sexuelle Abenteuer des hier zu Wort kommenden Probanden erinnern, welche dann in einer kaum zu glaubenden „Verwechslung“ der vorhandenen elektronischen Organiser seinen Höhepunkt fand.
Ich kann mich oft an meine heruntergefallene Kinnlade an einem Küchentisch in Altona erinnern.
Es gibt eine Zeit für Ausstellungen und eine Zeit des Rumv…. wie gut, das nicht alle Menschen die gleiche „Zeit“ haben. Man zeihe davon mal den Grenzwert!
Kaum zu glauben, diesen Sonntag war es eine sehr schräge Fischli/Weiss Ausstellung in den Deichtorhallen. Empfehlenswert!
Bis später
Der andere Freund
16. Juni 2008 um 10:11
Sssikäi
Manchmal gibt es nichts Besseres, als spießig zu sein …
17. Juni 2008 um 18:05
Lebensabschnittsgefährtin
1. Ja, Jörn, Du bist spießig – mal mehr, mal weniger. Wir wir alle. Die Sicht auf die Dinge ändert sich eben auch mit der Zeit, und das nicht unmaßgeblich beeinflusst durch die hormonelle Großwetterlage. Manche Leute träumen, wenn die mal hochaufgeladen ist, sogar von so schrecklichen Dingen wie Sex mit Michael Ballack! Und das außerhalb der EM, ja der Fußballsaison! Da zweifelt man beim Aufwachen ernsthaft an sich selbst.
2. Die Geschichte mit den elektronischen Terminkalendern klingt högschd interessant!
3. Sex mit dem Ex kann sooo super sein – aber auch süchtig machen. Daher mein Rat: Finger weg! Außer in echten Notsituationen (zB Träume von Sex mit Ballack).
4. Ich hoffe, wir sehen uns Samstag!!
18. Juni 2008 um 10:36
Jörn Christian Meyer
„Die Sicht auf die Dinge ändert sich eben auch mit der Zeit, und das nicht unmaßgeblich beeinflusst durch die hormonelle Großwetterlage.“
Stimmt. Der andere Freund und die Lebensabschnittsgefährtin haben recht. Nur aus meiner derzeitigen Lebenssituation fand ich das ‘etwas besondere Geburtstagsgeschenk’ so schockierend. Ich hab’ auch schon das eine oder andere Abenteuer erlebt, wo die übrige Menschheit nur mit dem Kopf schütteln würde. Zeitweise habe ich ernsthaft geglaubt, dass überall kleine Video-Kameras installiert seien, die mein Leben für Relity-Soap bei Premiere aufzeichneten (auf das Niveau von RTL II bin ich dann doch nie gefallen).
Ich werde alt.