Der erste Tag im UKE ist hinter mir gebracht. Nicht sonderlich spannend: ich hatte eine Besprechung über die anstehende Diagnostik und mir wurde Blut abgenommen. Nach gut einer Stunde konnte ich die Station wieder verlassen und habe mich mit Sssiikaii in meiner alten Heimat Hamburg-Altona getroffen.
Zum Nachmittagskaffee habe ich eine – neben den Franzbrötchen – weitere schmerzhaft vermisste norddeutsche Spezialität zu mir genommen: einen Hanseaten.
Südlich der Lüneburger Heide wird dieses Gebäck kaum jemand kennen. Die Wikipedia berichtet hierzu:
Der Hanseat ist ein norddeutsches Gebäck. Er besteht aus zwei runden Mürbeteigscheiben von jeweils etwa 10 Zentimetern Durchmesser und 5 Millimetern Dicke, deren Ränder für gewöhnlich ähnlich denen eines Leibniz-Kekses gezackt sind. Zwischen den Scheiben befindet sich eine dünne Schicht Erdbeer- oder Himbeermarmelade. Die obere Scheibe ist mit einer Zucker-Glasur versehen, von der eine Hälfte weiß, die andere rot gefärbt ist. Die zweifarbige Glasur ist hergeleitet von den Wappen- und Flaggenfarben der drei Hansestädte Lübeck, Hamburg und Bremen, für die dieses Gebäck typisch ist. Auch der Name Hanseat, der eigentlich einen alteingesessenen Bewohner dieser drei Städte bezeichnet, verweist auf die Hanse. Ebenso bezeichnet man die Bürger von Hansestädten als Hanseaten. Besonders geschätzt wird dieser Brauch in Hamburg.
Während ich diese Portion reinen Zuckers genüsslich in einem Straßencafé aß, ging an uns eine Frau mit Kinderwagen vorbei, die mich erschreckt ansah – als ob ihr ein Gespenst erschienen wäre.
Nicht, weil ich derzeit irgendwie schlimm aussehe – das möchte ich doch von mir weisen (hier ein aktuelles Foto von der gestrigen Zugfahrt):
Vielmehr kennen wir uns von früher und haben eine ganz komische Geschichte (Entscheidung zwischen Freund vs. beste Freundin, unerfüllte Erwartungen und Liebe, ein Minenfeld an Missverständnissen, etc.) hinter uns. Zunächst haben wir uns – auch nach dem mir von einer dritten Person die Freundschaft aufgekündigt wurde – noch regelmäßig gesehen. Aber das ist später eingeschlafen und wir haben den Kontakt verloren. Eigentlich könnt ich mich mal wieder melden … aber was sagt man nach sechs Jahren?
“Hab Dich gestern in der Ottensener Hauptstrasse mit Deinem zweiten Kind gesehen – Glückwunsch übrigens auch zum ersten – und wollte mich mal wieder melden. Ach ja, ich bin in Hamburg wegen einer Knochenmark- transplantation, aber lass uns mal einfach einen Kaffee trinken gehen.”
Ihre Rufnummer steht übrigens auch nach diesen sechs Jahren immer noch in meinem Telefon. Ein Zeichen?



6 comments
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12. Juni 2008 um 22:30
bosch
Abgesehen von Franzbrötchen sind die hanseatischen Spezialitäten doch recht zweifelhaft: Hanseaten, Labskaus, Aalsuppe – sind mir alle ein Graus.
Und: Ottensen ist doch ein Dorf. Nur wie kann man bei dem ganzen Fußballtamtam überhaupt noch irgendwo in gemütlich Kaffee trinken?
War heute übrigens auch in Ottensen und kann Liebmilch sehr empfehlen: dort gibt es sehr leckeres Eis.
Ansonsten: alles Gute und so …
12. Juni 2008 um 23:36
Jörn
Also: wir waren heute in der oldschool Stadtbäckerei. Da gibt es keinen Café Latte sondern noch schön Filterkaffe aus der Pumpthermoskanne – garantiert abgestanden. War irgendwie echt nett.
Ansonsten ist mein alltime favorite das Treibeis in der Gaußstrasse. Da muss ich unbedingt die nächsten Tage hin.
Die Eisbude muss ich mir (keimfreie Kost hin oder her) die Tage mal anschauen.
12. Juni 2008 um 23:52
bosch
Oh, Kaffee im Becher, dass es das noch gibt – und dann in Ottensen.
Ottensen ist übrigens reich bestückt mit hervorragenden Eisdielen. Neben dem bereits erwähnten gibt es natürlich noch die Eisliebe (Bei der Reitbahn), Eis Schmidt (Ottensener Hauptstraße) und den großartigen Eisladen in der Fischers Allee.
In Sachen Cafés kann mich Ottensen leider nicht so sehr überzeugen: Das Knuth ist immer überfüllt und irgendwie lästig, früher war das Tazza d’oro ganz gut, aber die Zeiten sind auch vorbei. Im Katelbach ist der Service mies und im Bey’s ist es meist lärmig. Vielleicht werde ich das Treibeis mal probieren. Aber Gaußstraße – das ist doch schon fast Bahrenfeld, oder?
13. Juni 2008 um 5:30
kleeblumenkranz
Na ich verstehe die Situation nicht ganz aber offensichtlich bedeutet dir diese Dame sehr viel, wenn sie noch immer in deinem Telefonbuch steht. Wenn da jedoch mehr als Freundschaft war, würde ich an deiner Stelle die Finger davon lassen. Frauen sind da manchmal unberechenbar und man will ja auch nicht, dass es da innerhalb ihrer Familie zu Problemen kommt… Ich hatte gerade gestern mit meinen Freundinnen beim Kaffeetrinken – ja, wir trinken auch Kaffee, und es gab nicht sowas Leckeres wie du es gegessen hast – darüber gesprochen. Irgendwie hat ja fast jede Frau, verheiratet oder nicht, da irgendwo so einen, der ihr mal viel bedeutet hat und denn sie deswegen nie nie wieder sehen will. Das würde die Gefühlswelt zusehr durcheinander bringen und das Heil der eigenenen Familie ins Wanken.
13. Juni 2008 um 10:37
Sssikäi
Jörn hat in seinem Eintrag allerhand verschwiegen. Da will ich mal nicht so sein und zumindest das Wichtigste verraten: Er führte am lauschigen Elbufer mit mir und einer weiteren Freundin intensive Gespräche über lesbischen Sex auf Kreuzfahrtschiffen, konnte sich im Klamottenladen nicht zwischen Shorts und Trägerkleidchen entscheiden und spielte im Elektrofachmarkt an pinkfarbenen Mobiltelefonen herum. Dazu passt der vielsagende Eintrag auf dem Ausdruck mit seinen Blutwerten. An dieser Stelle würde es dann aber doch zu indiskret – Datenschutz!
15. Juni 2008 um 15:28
Jörn Christian Meyer
Ich habe die Freundin (noch) nicht angerufen. Ich glaube, sie war mir nie böse – der Konflikt bestand ja eher mit ihrer besten Freundin (die vorher ja auch meine beste Freundin war).
Einerseits habe ich schon Lust, mich wieder mit Ihr zu treffen, andererseits möchte ich diesen ganzen Konflikt nicht wieder lostreten.