You are currently browsing the monthly archive for Juni 2008.

Eine Wesenseigenschaft die man mit einer onko-/hämatologischen Erkrankung trainiert ist die Geduld.

Das UKE hat sich noch nicht zu einer endgültigen Diagnose durchringen können. Eine PNH scheint gesichert, eine schwere aplastische Anämie möglich aber auch ein MDS ist denkbar. Da innerhalb der nächsten zwei Wochen keine Ergebnisse vorliegen werden, habe ich mich wieder auf den Rückweg nach Frankfurt gemacht. In der Zwischenzeit können die Ärzte meine Blutwerte und Knochenmark-Biopsien von allen Seiten betrachten und diskutieren. Ich befürchte fast, dass die Zweifel nicht auszuräumen sind und irgendwann einfach eine Krankheit festgelegt wird. Aber gut ist: es ist sicher keine Leukämie (Sorry, aber dieser running gag musste sein).

Was so nervenaufreibend dabei ist, ist nicht die Ungewissheit der Diagnose sondern das Warten an sich. Als Patient wartet man immer auf irgendetwas: das Gespräch mit dem Arzt, die aktuellen Blutwerte, die Diagnose, die bestrahlten Transfusionen, die Chemotherapie. Im Zweifel, dass man das Krankenhaus verlassen darf.

Aber warum sollte es mir damit besser gehen als anderen Patienten. Volker hatte sich darauf eingerichtet, ab dem 1. Juli eine Reha zu machen. Ein uneindeutiger CT-Scan hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht: sein Lymphom ist durch die Chemotherapie statt auf 2,5 cm lediglich auf 2,7 cm heruntergebrutzelt worden. Jetzt stehen weitere Untersuchungen an – bis dann entschieden werden kann, ob eine weitere Behandlung notwendig ist. Somit wird es noch einige Wochen dauern, bis er sich in die Abgeschiedenheit eines hessischen Kurortes zur Wiederherstellung seiner Arbeitsfähigkeit begeben darf. Oder eine Bestrahlung bevorsteht. Oder eine Hochdosis-Chemotherapie. Oder beides.

Hierzu fällt mir immer die Situation der Todeskandidaten im japanischen Strafvollzug ein. Nach ihrer rechtskräftigen Verurteilung verbringen diese Ihr restliches Leben in Einzelhaft. Ihnen wird nicht mitgeteilt, ob und wann das Urteil vollstreckt wird. Stattdessen sollen sie lernen, die Situation für sich und ihren Tod anzunehmen. Eines Morgens werden sie aus ihrer Zelle geholt und zur Hinrichtung abgeholt. Anschließend werden ihre Angehörigen benachrichtigt, dass der Leichnam abgeholt werden kann. Wie es zu dieser unmenschlichen Praxis gekommen ist, kann ich – aus meiner westlichen Perspektive – nicht nachvollziehen. Ich vermute, es hängt mit dem konfuzianischen Buddhismus zusammen.

Natürlich ist diese Situation nicht wirklich vergleichbar mit der von Krebspatienten. Kein Arzt spielt sich als Henker auf, die nervenaufreibende Ungewissheit ist sicherlich nicht beabsichtigt und Ziel ist nicht das Annehmen des Todes sondern die Bekämpfung einer tödlichen Krankheit.

Aber ein bisschen weniger Warten wäre auch ganz schön.

Ich treffe mich heute mit einem alten Freund, genauer gesagt mit meinem Ex-Freund. Manche machen ja rigoros Schluss: Es sei alles gesagt, alles getan, alles geliebt. Ein weiterer Kontakt wäre so sinnvoll, wie bei einem Hirntoten nicht die Geräte abzuschalten. Andererseits: da teilt man Jahre der Vertrautheit, Nähe und vielleicht Liebe – und nach dem Aus soll man sich nie wieder sehen? Warum nicht weiterhin freundschaftlich von den alten Zeiten gemeinsam Nutzen ziehen? Mark und ich haben uns entschlossen, den zweiten Weg zu gehen und fahren recht gut damit.

Heute Abend sind wir vor ganz andere Herausforderungen gestellt: Mark möchte sich in Ottensen in einem fußballfreien Umfeld treffen. Ich finde das nur Konsequent: wenn man schon sonst kein Fußball schaut, muss man das auch nicht während einer Meisterschaft. Das wird an dem Abend des EM-Halbfinales mit dem Spiel Deutschland-Türkei verdammt schwierig.

Spinner 1

Dazu habe ich einen lesenswerten Blog beim antibuerokratieteam.net aufgespiesst, dem ich mich vollumfänglich anschliessen möchte:

Die Anzahl derer, die durch PKW-Beflaggung ihre Zugehörigkeit zur Unterschicht und/oder ihre Präferenz bei „Deutschland sucht die Supermannschaft“ demonstrieren wollen, steigt in diesen Tagen wieder einmal exponentiell.

Anmerkung: das Foto ‘Spinner 1′ ist dem Flickr Fotoalbum von NullProzent entnommen und steht unter der Creative Commons Lizenz.

PS: Man beachte auch das Kennzeichen.

Ich habe mir mit Frank nicht nur die Stadtmusikanten, Rathaus, Roland, Böttcherstrasse. etc. angesehen, Erdbeerkuchen mit den Schwiegereltern gegessen und uns die Sonne auf die Glatzen scheinen lassen. Wir waren auch noch in der Bremer Bronx.

Es handelt sich dabei mitnichten um einen Kriminalitätsschwerpunkt mit Bandenkriminalität, Autodiebstählen, Drogen und Raubüberfällen. Es ist einfach nur eine Kneipe, die hofft, mit einem verruchten Namen, ein zweideutiges Image zu erhalten. Wir sind nach einem Bier wieder gegangen.

Kleiner Tipp an das Personal: hilfreich wäre es, keine Schlager zu spielen.

Die vergangenen Tage haben Frank und ich uns in Bremen bei den Schwiegereltern getroffen. Es war ein schönes mit viel Sonne und viel Essen. Wenn man nach Bremen kommt gibt es zwei Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen darf: den Roland auf dem Rathausmarkt und die Statur der Bremer Stadtmusikanten.

 Roland von Bremen

(c) Blue Petunia / Flickr

Der Legende nach soll die Stadt Bremen so lange frei und selbstständig bleiben wie der Roland steht und über die Stadt wacht. Ob die Legende stimmt, dass in den Kellergewölben des Rathauses eine zweite Statur versteckt sei, falls das Original einmal umfällt, konnte mir Frank nicht bestätigen.

Bremer Stadtmusikanten

(c) bby_ / Flickr

Jeder kennt die Geschichte, von den bekanntesten Bremern überhaupt, die es selbst nie in die Stadt schafften. Ein Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn haben sich unter dem Motto »Etwas besseres als den Tod findest du überall« auf den Weg in die Freiheit gemacht. Wobei »Bremen« ist der Name der Freiheit ist. Wie sich zeigt, muss man nicht bis nach Bremen gelangen, sondern auf dem Weg dahin den Geist der Freiheit leben. „Lass uns nach Bremen gehen“ heißt: Wir haben noch etwas vom Leben zu erwarten. Es ist nicht zu spät.

Ich mag Bremen.

Anmerkung: Die Fotos sind Flickr entnommen und stehen unter der Creative Commons Lizenz.

Heute war wieder einer dieser Tage, an denen man besser nicht aufgestanden wäre.

Nachdem ich schon schlecht geschlafen habe, hat mir der Besuch bei der Zahnärztin den Rest gegeben. Meine nicht abgeschlossene Zahnwurzelbehandlung könne mir in nächster Zeit gehörig um die Ohren fliege. Ein ganz großer Spaß während einer Knochenmarktransplantation. Um diese Bombe zu entschärfen empfahl sie mir, den Zahn zu ziehen und später ein Implantat reinzusetzen. Tolle Aussichten: entweder jetzt mangels Thrombozyten verbluten oder während einer KMT einen Infektionsherd haben.

Ich finde dieses Bild ganz passend:

Everything one needs in aisle 9

(c) Flickr/Jared and Corin
Das Bild steht unter der Creative Commons Lizenz