oder wie ich den Eurovision Song Contest zu lieben begann. 

Ich gebe es offen und ehrlich zu: ich mag keinen Schlager und keinen Pop. Aber ich werde jedes Jahr wieder auf irgendeine ESC-Party mitgeschleppt und mit ein wenig Alkohol ist das meistens auch ein ganz lustiger Zeitvertreib. Auf diesen Parties kann man grundsätzlich zwei große Gruppen an Gästen identifizieren:

  • Hardcore-Fans: Sie sind auf die Auszählung der Stimmen gespannt, wenn sie mit ihrem Wissen prahlen können, z.B. dass Luxembourg 1980 insgesamt 56 Punkte bekam, Malta 1972 mit 48 Punkten auf dem letzten Platz lag und das die Niederlande nur einmal zwölf Punkte erhielten (1996 von Österreich). 
  • Trash-Fans: Sie möchten eigentlich nur genügend Alkohol trinken, um sich am nächsten Tag nicht mehr an den Abend zu erinnern. Vorher haben Sie aber sichtlich Spaß an der z.T. grauenvollen Musik, den bizarren Kostümen und den eigenwilligen Auftritten. Während der Punktvergabe trifft man sie zumeist in der Küche am Büffet oder auf dem Balkon zum Rauchen an.

Ich gehöre eindeutig zur zweiten Gruppe. Und ich habe jedes Jahr wieder Spaß. Um auf der Party zumindest ein wenig Small-Talk halten zu können (und nicht gleich den spaßbefreiten Pseudo-Intellektuellen herauszuhängen) lass ich mich vorher von den Hardcore-Fans im Freundeskreis briefen.

Eurovision Song Contest

Hier also die offizielle Prognose von meinem Ex-Freund Mark und seinem Freund Patrick:

  1. Großer Favorit: Schweden
    Charlotte Perelli mit “Hero”, die 1999 (noch unter dem Namen Charlotte Nilsson) schon einmal gewann – damals mit dem Titel “Take me to your heaven”.
  2. Große Chancen: Russland
    Dima Bilan ist in Russland schon ein Superstar und hat seinen Titel “Believe” gleich auf Russisch, Englisch und Spanisch aufgenommen. Und die Produzenten des Amerikaners Timbaland haben den Titeln den nötigen Feinschliff verpasst.
  3. Großes Mimikry: Malta
    Oder doch eher Ballermann-Musik aus Malta? Mit “Vodka” könnte Morena natürlich die ein oder andere Stimme der Ostblock-Mafia abgreifen ;-)  
  4. Großer Außenseiter: Bulgarien
    Spannend: Wird es Bulgarien Donnerstag ins Finale schaffen? Dann hätten wir neben Metall aus Finnland (von dem ich Ohrenkrebs kriege) auch noch DJ-Gescratche mit beim ESC. (Mich persönlich erinnert das ja eher an eine Mischung aus Acid und Kylie Minogue.)

Alle Teilnehmer kann man sich im Großen Grand-Prix Führer ansehen - fachkundig kommentiert von dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier.

Mein persönlicher Favorit: Bosnien und Herzegowina: Das Ding rockt … irgendwie. Zwar begann Elvir Lakovic Laka seine Karriere als Strassenmusikant in Gorazde, aber man merkt deutlich, dass er in New York eine Band gründete und auf den großen Durchbruch hoffte.

The maths of Eurovision voting

Spannend übrigens, wie die erfolgreichste Grand-Prix Nation an die Sache herangeht: Derek Gatherer von der Uni Glasgow hat ein mathematisches Modell aufgestellt mit der er den Ausgang des Sängerwettstreits voraussagen will. Grundlage hierfür waren die Ergebnisse aller Grand-Prix Veranstaltungen seit 1975. Weitere Hintergrundinformationen kann man bei der BBC in dem Beitrag The maths of Eurovision voting nachlesen.

Wie dem auch sei: wir bringen genügend Bier Sekt mit und machen uns einen netten Abend.

PS: Einen stillechten Abend mit Käsehäppchen und Maibowle plant Magic M. mit seinen Freunden zu verbringen. Er gehört auch zur Trash-Fraktion: “Normalerweise bin ich so garnicht für Schlager zu haben, höchstens mit mindestens zwei Promille im Blut, weil dann ist es eh egal!” – Ob das mit Maibowle klappt? Viel Erfolg.

Anmerkung: Das Bild “Eurovision booze” ist im Flickr-Album von Phil Wilson erschienen und steht unter der Creative Commons Lizenz.