In der gestrigen FAZ ist eine hübsch zu lesende Kritik von Michael Köhler über das Konzert der „Königin des Pop”.

Die Sonne geht auf. Kylie Minogue schwebt zum Auftakt ihres Gastspiels in der Frankfurter Festhalle majestätisch langsam auf die Bühne. Sie taucht aus dichten Nebelschwaden auf. In einem von flackernden Leuchtsträngen durchzogenen goldenen Reifen. Wie eine feenhafte Lichtgestalt aus einem Märchen. (…) Eine in Lack, Leder und Latex gekleidete Schar Tänzer männlichen und weiblichen Geschlechts umgarnt lasziv die unnahbare Diva: simulierter Fetisch-Sex, Szenen am Rand zum Tabubruch.

Wer jetzt gedacht hätte, der Artikel würde sich auch noch mit den Songs der Australierin beschäftigen oder gar dem künstlerischen Heranreifen eines Soap-Stars zur Pop-Ikone, irrt. Stattdessen wird ausführlich über die von Jean-Paul Gaultier gefertigten Kostüme, das aufwendige Bühnenbild und ihre Tänzer – männlichen und weiblichen Geschlechts’ – berichtet.

Aber mal ganz ehrlich: Da kann man der FAZ nun wirklich einen Vorwurf machen? Wer geht denn wegen der Musik auf ein Kylie Minogue Konzert?

Kylie Minogue - in Concert

Der Artikel versucht sich auch noch in einem Vergleich zu Madonna – mag ihn aber scheinbar nicht aussprechen. Liegt es vielleicht daran, dass beide eher beliebige Pop-Musik machen? Dass ihre Musik angesichts des Geschehens auf der Bühne eher nebensächlich ist? Dass Madonna mit religiösen Elementen spielt, während Kylie ihrem (schwulem) Publikum homoerotische Phantasien präsentiert? Dass Madonna ihre Show roboterhaft auf die Bühne bringt, während bei Kylie (zumindest so was ähnliches wie) ein persönlicher Funke überspringt? Dabei hatte es Michael Köhler doch schon erkannt:

Gut möglich, dass Kylie Minogue eines Tages dem Beispiel ihrer Kolleginnen Céline Dion, Bette Midler und Cher (nach Las Vegas) folgt. Ihr Chorus-Girl-Charme könnte sich in der Casino-Metropole optimal entfalten.

Kylie Minogue ist eine Vollblut-Entertainerin mit echter Bühnenpräsenz – im Gegensatz zu Madonna, die ein Konzert emotionslos wie ein Fitness-Programm ableistet.

Oops, das hört sich fast so an, als wäre ich ein ausgewachsener Kylie Minogue Fan wäre. Bin ich aber nicht, ich schau mir nur gern ihre DVDs an ;-)

PS: Ich habe auch noch den interessanten Blog-Eintrag “Geiz ist tot. Wirklich?” gefunden, der kritisch Kylie Minogues Zusammenarbeit mit Saturn hinterfragt: pro verkaufter Kylie-CD oder DVD spendet Saturn in den nächsten 24 Monaten einen Euro an die Krebshilfe. Saturn möchte mit dieser PR-Maßnahme künftig seine Marke nachhaltig mit aktiver Gesundheitsförderung verknüpfen. Ob das mit dem Link Krebspatientin – Popmusik – Elektromarkt klappt?

Anmerkung: Ich danke unserem Nachbarn Didi für die Inspiration zu diesem Eintrag; das Foto von Kylie Minogue entstammt dem Flickr-Album von Tracy Misso und steht unter der Creative-Commons-Linzenz.