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Heute habe ich mal wieder zwei bemerkenswerte Video-Clips im Web gefunden:

1. Einen Bericht über eine US-Amerikanerin aus New Hampshire, die an Aplastischer Anämie erkrankt ist:

NH woman suffers aplastic anemia

Bei Nicole wurde die Krankheit ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter Katie im September 2007 diagnostiziert. Da sie von amerikanischen Ureinwohnern abstammt ist die Suche nach einem passenden Spender für eine Knochenmarktransplantation sehr schwierig.

Ähnliche Probleme bei der Spendersuche haben auch Migranten in Deutschland. Die DKMS sucht daher zur Zeit mit der Aktion „Hilfe für Halit” Spender in der türkischen Community.

2. Ein wenig leichte Kost (es ist ja Wochenende): Miss Marple unterwegs

Miss Marpel unterwegs

Ja, das waren noch Zeiten, als es bei der Bahn noch frischen Obstkuchen gab … Heut zu Tage kann man sich ja schon über einen Snickers-Riegel freuen. Und das “Sandwich nach Tagesangebot” ist meist mit irgendeiner widerlichen Wurst belegt.

Ein Kuss ist das, was von der Sprache des Paradieses übrig geblieben ist.
(Joseph Conrad)

Der 17. Mai. Eigentlich kein besonderer Tag. Geschichtsträchtiges fällt einem da an und für sich nicht ein.

  • In Deutschland wurde früher der 17.5. in Anspielung auf den § 175 StGB ironisch als „Feiertag der Schwulen” bezeichnet. Zur Erinnerung: Diese Vorschrift des Strafgesetzbuches stellte männliche Homosexualität unter Strafe, wurde 1935 verschärft, 1969 ein wenig liberalisiert und erst 1994 endgültig abgeschafft.
  • Symbolisch wurden am 17. Mai 2002 die auf Grund des § 175 StGB zwischen 1935 und 1945 ergangenen Urteile für nichtig erklärt.
  • Darüber hinaus hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 17. Mai 1990 Homosexualität aus ihrer Liste psychischer Krankheiten (ICD-Code) gestrichen.
  • Außerdem hat Massachusetts als erster US-Bundesstaat am 17. Mai 2004 die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt.

Also doch ein denkwürdiger Tag. Deshalb haben weltweit Schwulen und Lesbengruppen den 17. Mai zum Tag gegen Homophobie erklärt. In Berlin wird dieser Tag romantisch und öffentlichkeitswirksam angegangen: unter dem Motto ‚protect every kiss‘ wird es an verschiedenen Orten der Stadt einen Kuss-Marathon geben.

Küssende Schwule Unterwasser

Der Veranstalter dieses Events, das Berliner schwule Anti-Gewalt-Projekt MANEO, begründet diese verführerisch-politische Aktion so: “Schwule und Lesben, die sich in der Öffentlichkeit küssen, sind immer wieder Zielscheibe von Beleidigung, Bedrohung und körperlichen Angriffen. Dies wollen wir nicht akzeptieren. Der Kuss drückt Liebe und Zuneigung aus. Wir rufen dazu auf, den Kuss zu schützen, und ein deutliches Zeichen gegen Homophobie und Hassgewalt zu setzen.”

Auch wenn jeder noch so aufgeklärte Deutscher versichert, er hätte keinen Probleme mit Schwulen und Lesben, gerät mancher ihretwegen dann doch in ‚Schwulitäten‘. So auch Wilson Gonzales Ochsenknecht (Sohn von Uwe Ochsenknecht und auch selber Schauspieler). Der hat zwar viele schwule Freunde, kann sich aber nicht mit ansehen,

wie ein schwuler Freund seinem Partner einen Zungenkuss gibt. Das wäre so, als würde ich dabei sein, wenn meine Mama meinem Papa einen Zungenkuss gibt. Da habe ich auch immer ein ungutes Gefühl.

Schwuler Kuss Unterwasser

Da möchte man sich gar nicht vorstellen, was Mama und Papa Ochsenknecht vor ihren Kindern so getrieben haben. Das ganze Interview kann man in der aktuellen FRONT nachlesen.

Der Blog Gaywest bemerkt treffend, dass die landläufige Ansicht, „dass es den Leuten eher egal geworden ist, ob jemand schwul, lesbisch oder heterosexuell ist” offensichtlich nur mit Ausnahme von ihm gilt.

So kann man den Küssenden von Berlin nur viel Erfolg wünschen.

Ein Kuss klingt nicht so laut wie eine Kanone. Aber das Echo lebt länger.
(Oliver Wendell Holmes)

Kleiner Nachtrag: Maneo ist in der linken (schwulen) Szene auch für einen ‘penetranten Rassismus‘ bekannt. Kritisch beäugt Frau Herr Janssen den Verein in ihrem seinem Blog. Einen kritischen Bericht zur Arbeit von Maneo gibt es auch hier. Andere Kritik kann man in Nobbis Blog lesen. Oder in diesem Artikel aus der ‘Jungen Welt‘. Hmm … vielleicht hätte ich mir doch ein anderes Thema heute vornehmen sollen. Oder besser noch, ich werde über das Thema Schwule, Homophobie, Hassgewalt und Rassismus noch mal sinnieren und in einem weiteren Eintrag wieder aufgreifen.

Ich danke Ssikai für die Inspiration für diesen Eintrag. Die Fotos der küssenden Männer entstammen dem Fotostream von K-1000 und sind durch die Creative Commons Lizenz geschützt.

Jetzt nur ein ganz kurzer Eintrag.

Es ist doch erstaunlich, wie sich in kurzer Zeit die Blutwerte verändern können (erster Wert von Dienstag, zweiter Wert von heute, der dritte Wert in Klammern ist der Referenzbereich, in dem es eigentlich liegen müsste):

  • Leukozyten 1.69/nl -> 1.95/nl (4.0 - 9.4)
  • Erythrozyten 1.92/pl -> 1.80/pl (4.6 - 6.2)
  • Hämoglobin 6.2 g/dl -> 5.8 g/dl (14.0 - 18.0)
  • Hämatokrit 18.8 % -> 17.5 % (40.0 - 54.0)
  • Thrombozyten 16/nl -> 10/nl (140 – 440)
  • Neutrophilenzahl 0.65/nl -> 0.55/nl (1.92 - 6.17)

Diese Werte (insbesondere die Neutrophilen) haben die behandelnden Ärzte ein wenig beunruhigt und so wurden mir zwei Erythrozyten-Konzentrate verpasst. Ich habe jetzt einen Labor-, Arztgespräch-, Chemotherapie- und Bluttransfusions- Marathon hinter mir.

Ich war insgesamt acht Stunden in der Klink und bin jetzt erstmal platt … die tollen Ideen, worüber ich bloggen könnte, werden später angegangen.

Blutttransfusion

Kleines Update: Ich habe noch einen ganzen Packen Rezepte in der Apotheke abgegeben. Neben Tropfen gegen Pilzbefall im Mundbereich, div. Antibiotika für den Notfall (sofort einzunehmen bei Infekten und Fieber), soll ich jetzt auch noch die Granulozyten stimulierende Hormone einnehmen (sog. G-CSF - Neupogen). Die Ärzte hoffen damit meine Immunabwehr zu stärken, ob das klappt ist aber ungewiss. Sehr schön auch die erklärenden Worte des Arztes:

“Wenn das Medikament anspringt, kann es Knochenschmerzen verursachen. Ich schreib Ihnen mal ein bisschen Novalgin auf - wenn das nicht hilft, rufen Sie beim Diensthabenden Arzt an, der gibt ihnen dann Morphin.”

Volker bekommt diese Spritzen und hat mir versichert, dass sie kein Spaß sein. So werde ich dieses Wochenende also mal eine Auto-SM-Session starten und ggf. meine Erfahrungen mit Drogen erweitern können.

Kindheitserinnerungen werden wieder wach: der Nogger Choc von Langnese ist zurück! Wer der über Dreißigjährigen erinnert sich nicht an das legendäre Eis mit Nougatkern und Schokoüberzug mit Nuss-Splittern? Nogger Choc ist für mich der Kiosk auf dem S-Bahnhof Elbgaustrasse, an dem ich mir nach der Schule Eis, Comics oder anderen Süßkram gekauft hab. 2001 wurde dieses legendäre Eis aus dem Sortiment genommen, aber da waren die Zeiten des nachmittäglichen Eisessens auch schon lange vorbei.

Nogger Choc

In dem sozialen Netzwerk StudiVZ wurde letztes Jahr eine Gruppe gegründet, in der sich schließlich 16.000 Fans des legendären Stangeneis’ virtuell versammelten. Mehr als 5.000 Internet-User unterzeichneten zudem die Onlinepetition “Nogger Choc für die Welt!” in der Langnese aufgefordert wurde, dieses Eis wieder einzuführen. Dies ließ das Langnese-Herz erweichen und so findet sich Nogger Choc wieder auf der Eiskarte jedes gut sortierten Kiosks. Zum Eis-Saison-Auftakt bedankte sich die Marketing Abteilung von Langnese sogar persönlich in einem kurzen Web-Video bei den Nogger Choc-Fans

Irgendwie ist das zu schön um wahr zu sein. Eine Web 2.0-Initiative schafft es, einen weltweiten Lebensmittelkonzern dazu zu überreden, ein ausgelistetes Produkt wieder ins Programm zu nehmen? Das scheint mir doch eher Virales Marketing gewesen zu sein: Die Internet-User und deren soziale Netzwerke wurden eingebunden, um die Bekanntheit des wiedereinzuführenden Produktes zu erhöhen. Also so etwas wie Mundpropaganda im Web 2.0. Der gleichen Auffassung sind übrigens auch Internet World Business, Lars Wichert von der Werbeagentur adplace und Stefan in seinem Konsumenten Blog.

Aber zurück zum Eis selbst. Die Bloggergemeinde ist geteilter Auffassung über Nogger Choc 2.0:

Endlich - nach langen Jahren des Wartens hat Langnese ein Einsehen und nimmt das Nogger Choc wieder in die Produktpalette auf - ein Dickmacher meiner Kindheit ist zurück. Juche!!
Carsten von rockngroll aus Düsseldorf

Bei Superwetter in Würzburg konnte ich es genießen und es schmeckt immer noch! Der Schokokern schmeckt irgendwie genauso wie die Milka Nougat-Herzen, ist das mal jemandem aufgefallen?
Andre von Unten am Hafen aus Würzburg

Ich habe versucht nicht voreingenommen zu sein, doch es ist wahr, außer dem Namen und der Schichtenfolge hat das Eis, was jetzt unter dem Namen “Nogger Choc” in den Kühltruhen liegt, im Grunde nichts mit DEM Nogger Choc von früher zu tun. Dass die Eiscreme-Schicht um den Kern herum nicht so schmeckt wie früher lässt sich verschmerzen, aber die eigentliche Enttäuschung ist der Kern selber. Viel kleiner als früher, so weich, dass man ihn ratz-fatz weg gelutscht hat und geschmacklich eher an Nuss-Schokolade erinnernd, denn an Nougat. Sebastian aus Aachen in seinem Blog

Wollen die uns eigentlich verarschen? Erst proklamieren, dass das alte original wieder zurückgekehrt ist die geschmäcker zu betören und mir dann so ein schlechtes remake unterjubeln… oder hat sich mein geschmack so verändert?!
Stephan im Blog KURZVORNEUNE

Allen Warnungen zum Trotz habe ich Nogger Choc verkostet und ich muss sagen, es war ok. Der Schokoladenmantel war früher dicker und der Nougatkern härter. Aber es was immer schon so klebrig süß wie heute.

Jörn beim Verkosten des neuen Nogger Choc

Warum Warnungen? Mit meinen aktuellen Blutwerten (Leukozyten unter 2.0/nl) bin ich extrem immungeschwächt und muss Infektionen dringend vermeiden. Aufgrund der Abwehrschwäche stehen hygienische Maßnahmen (wie regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren) im Vordergrund.

Aber auch die Ernährung muss jetzt angepasst, d.h. keimreduziert, werden: keine rohen Salate oder ungeschältes Obst, kein Müsli, Trockenobst, Rosinen, Nüsse (auch keine Nußschokolade), keine rohen Milchprodukte oder Joghurt mit Lebendkulturen. Speiseeis nur industriell verpackt unter Einhaltung der Kühlkette (keine Eisdiele). Erlaubst ist frisch zubereitete, erhitzte Nahrung; das Aufwärmen von Essensresten ist verboten und angebrochene Nahrungsmittel sollten innerhalb von 24 Stunden verzehrt oder verworfen werden. Kein Trinken aus Flaschen (Keime am Halsrand), etc.

Ach ja noch etwas - um Infektionen zu vermeiden darf ich die Wohnung nur mit Mundschutz verlassen. Deshalb war Frank so lieb, mir ein Eis vom Kiosk mitzubringen. Mundschutz und Eis-Essen schließen sich ja irgendwie aus …

So jetzt für Schlaumerker: Warum darf Jörn z.Z. kein Nogger Choc essen? Die Antwort findet ihr in meinem ersten Internet-Video:

Anmerkung: Das Foto von dem Nogger Choc stammt aus dem Flickr-Album von polaroidmemories und steht unter einer Creative Commons-Lizenz.

Der gestrige Ausflug in die Klinik war überraschend: die Blutwerte waren gar nicht so schlecht - obwohl ich mich das ganze Wochenende schlapp fühlte und ein echter Sesselpupser war. Die Werte im Detail, in Klammern der Referenzbereich und die Funktion des jeweiligen Blutbestandteils.

  • Leukozyten 1.69/nl (4.0 - 9.4, Abwehr von Krankheitserregern)
  • Erythrozyten 1.92/pl (4.6 - 6.2, Transport von Sauerstoff)
  • Hämoglobin 6.2 g/dl (14.0 - 18.0, Sauerstoffbindung)
  • Hämatokrit 18.8 % (40.0 - 54.0, Anteil der roten Blutkörperchen am Blut)
  • Thrombozyten 16/nl (140 – 440, Blutgerinnung)
  • Neutrophilenzahl 0.65/nl (1.92 - 6.17, Immunabwehr)

Sicher, das sind keine Traumwerte und deutlich vom ‘gesunden’ Normalbereich entfernt, aber es gab dann doch keine Transfusion. Denn was ist schon normal bei einer PNH mit Aplastischer Anämie?

Blick in eine Blutbahn

Auf besonderen Wunsch einer regelmäßigen Leserin, die ‘meine Ausführungen manchmal etwas schräg findet und sie dann nicht kommentieren möchte’, eine paar Informationen, warum ich kein Transfusionen erhalte:

Patienten mit chronischen Anämien (wie ich) sind meistens ausreichend an diese niedrigen Werte adaptiert, d.h. unsere Körper haben sich über längeren Zeit daran gewöhnt, auf so niedriger Flamme zu arbeiten. Das ich mich so schlapp fühle kann auch andere Ursachen, z.B. eine unerkannte Infektion oder halt ‘nur’ Fatigue, haben.

Aber es gibt noch eine handfesten Grund gegen Transfusionen: Je mehr Blut ich erhalte, umso schwieriger wird eine mögliche Knochenmarktransplantation. Etwas vereinfach, kann man das so erklären:

  1. Bei einer späteren Knochenmarktransplantation würden meine Stammzellen und mein bisheriges Immunsystem mit einer Hochdosis-Chemotherapie zerstört werden.
  2. Anschließend bekäme ich fremde Stammzellen, aus denen sich ein neues Immunsystem entwickeln würde.
  3. Zu der Komplikation Graft-versus-Host-Reaktion (oder zu deutsch Transplantat-Wirt-Reaktion) käme es, wenn dieses neue Immunsystem zu arbeiten anfinge und meinen Körper (den neuen ‘Wirt’) als fremd ansähe. Dann könnte es zu einer massiven Graft-versus-Host-Reaktion kommen, die den Körper entzündlich schädigen und auch zerstören könnte.

Daher wird bei einer Knochenmarktransplantation immer versucht, Spender und Empfänger mit möglichst identischen Gewebemerkmalen zu finden.

Mit jeder Bluttransfusionen die ich erhalte, sensibilisiert sich mein Körper mehr und mehr gegen die fremden Antikörper von den fremden Spendern. Das hat zur Folge, dass je mehr Bluttransfusionen ich jetzt erhalte, eine Graft-versus-Host-Reaktion nach einer Knochenmarktransplantation immer heftiger wird.

Entsprechend merken die ‚Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten’ der Bundesärztekammer auch an:

Patienten mit einer chronischen Anämie infolge primärer oder sekundärer Knochenmarkinsuffizienz sollten grundsätzlich so wenig wie möglich transfundiert werden, insbesondere wenn eine spätere Knochemarktransplantation möglich erscheint.

Und weil es gerade so schön medizinisch ist: Vollkommen unabhängig von den Komplikationen einer KMT gibt auch noch die Transfusion-Assoziierte Graft-Versus-Host Reaktion. Hierbei greifen die vermehrungsfähigen, fremden weißen Blutkörperchen aus der Transfusion den Empfängerorganismus an. Aber keine Panik: das Risiko besteht eigentlich nur bei immungeschwächten Patienten wie mich, ist sehr klein (es fällt nur bei 0,15 % aller Transfusionen an) und kann effektiv durch die Bestrahlung der Blutprodukte reduziert werden (mit mindestens 30 Gray).

Zytomegalievirus

Und wer sich jetzt noch fragt was es mit dem Bild über diesem Absatz auf sich hat: das ist ein Humanes-Herpes-Virus 5, das weit verbreitet ist. Bei der Erstinfektion bei 99 % aller Patienten verläuft die Infektion vollkommen problemlos und meist auch symptomfrei. Bei immungeschwächten Patienten (Krebs, HIV, etc.) kann eine neue oder wiederaufflammende CMV-Infektion schwer wiegende Folgen wie Lungenentzündung, Thrombozytopenie oder Entzündungen des Herzmuskels haben. Und nun ratet mal, wer zu den 25 % der Deutschen gehört, die nicht mit dem CM-Virus infiziert sind! Ja, ich darf vor jeder Transfusion noch mal persönlich überprüfen, ob man mir CMV-negatives Blut anhängt.

Anmerkung: Bild Blutbad © Maurus Völkl/Pixelio

In der gestrigen FAZ ist eine hübsch zu lesende Kritik von Michael Köhler über das Konzert der „Königin des Pop”.

Die Sonne geht auf. Kylie Minogue schwebt zum Auftakt ihres Gastspiels in der Frankfurter Festhalle majestätisch langsam auf die Bühne. Sie taucht aus dichten Nebelschwaden auf. In einem von flackernden Leuchtsträngen durchzogenen goldenen Reifen. Wie eine feenhafte Lichtgestalt aus einem Märchen. (…) Eine in Lack, Leder und Latex gekleidete Schar Tänzer männlichen und weiblichen Geschlechts umgarnt lasziv die unnahbare Diva: simulierter Fetisch-Sex, Szenen am Rand zum Tabubruch.

Wer jetzt gedacht hätte, der Artikel würde sich auch noch mit den Songs der Australierin beschäftigen oder gar dem künstlerischen Heranreifen eines Soap-Stars zur Pop-Ikone, irrt. Stattdessen wird ausführlich über die von Jean-Paul Gaultier gefertigten Kostüme, das aufwendige Bühnenbild und ihre Tänzer - männlichen und weiblichen Geschlechts’ - berichtet.

Aber mal ganz ehrlich: Da kann man der FAZ nun wirklich einen Vorwurf machen? Wer geht denn wegen der Musik auf ein Kylie Minogue Konzert?

Kylie Minogue - in Concert

Der Artikel versucht sich auch noch in einem Vergleich zu Madonna - mag ihn aber scheinbar nicht aussprechen. Liegt es vielleicht daran, dass beide eher beliebige Pop-Musik machen? Dass ihre Musik angesichts des Geschehens auf der Bühne eher nebensächlich ist? Dass Madonna mit religiösen Elementen spielt, während Kylie ihrem (schwulem) Publikum homoerotische Phantasien präsentiert? Dass Madonna ihre Show roboterhaft auf die Bühne bringt, während bei Kylie (zumindest so was ähnliches wie) ein persönlicher Funke überspringt? Dabei hatte es Michael Köhler doch schon erkannt:

Gut möglich, dass Kylie Minogue eines Tages dem Beispiel ihrer Kolleginnen Céline Dion, Bette Midler und Cher (nach Las Vegas) folgt. Ihr Chorus-Girl-Charme könnte sich in der Casino-Metropole optimal entfalten.

Kylie Minogue ist eine Vollblut-Entertainerin mit echter Bühnenpräsenz - im Gegensatz zu Madonna, die ein Konzert emotionslos wie ein Fitness-Programm ableistet.

Oops, das hört sich fast so an, als wäre ich ein ausgewachsener Kylie Minogue Fan wäre. Bin ich aber nicht, ich schau mir nur gern ihre DVDs an ;-)

PS: Ich habe auch noch den interessanten Blog-Eintrag “Geiz ist tot. Wirklich?” gefunden, der kritisch Kylie Minogues Zusammenarbeit mit Saturn hinterfragt: pro verkaufter Kylie-CD oder DVD spendet Saturn in den nächsten 24 Monaten einen Euro an die Krebshilfe. Saturn möchte mit dieser PR-Maßnahme künftig seine Marke nachhaltig mit aktiver Gesundheitsförderung verknüpfen. Ob das mit dem Link Krebspatientin - Popmusik - Elektromarkt klappt?

Anmerkung: Ich danke unserem Nachbarn Didi für die Inspiration zu diesem Eintrag; das Foto von Kylie Minogue entstammt dem Flickr-Album von Tracy Misso und steht unter der Creative-Commons-Linzenz.

Ich hab es gestern nicht zum Wäldchestag geschafft. Es ging einfach nicht - schon der nachmittägliche Ausflug zur Eisdiele (200 m) haben mich um Stunden zurückgeschlagen und wieder aufs Sofa gefesselt. Ich bin den ganzen Tag durch die Wohnung gekrochen und habe mich hauptsächlich in der Horizontalen aufgehalten.

Aber auch im Liegen kann man mit Laptop im Internet-Surfen. So bin ich über das Blog Nerdcore auf die Seite Rhesus Bloodtype Shirts gestossen:

Blutgruppenshirts

Diese Blutgruppentshirts sind natürlich nicht nur Oberbekleidung, sondern auch ein ‘Projekt’ mit einem gewissen Anspruch. Auf der Website führen die Macher aus:

Your life is our concern. Wearing a Rhesus Bloodtype Shirt may save your life. In case of emergency, the proper blood substitute will be available after a glance. Well, at least that was our initial idea.

Wobei sie einschränken:

Please note, that in fact our product does not protect your life in any way. This is just for fashion purposes and not to be used as a medical indicator for proper blood substitute.
Having said that, we strongly recommend that you wear the fitting blood type shirt to your blood type.

Ob beim Tragen des T-Shirts im Notfall wirklich einen lebensrettenden Zeitvorteil gibt, mag ich bezweifeln. Schließlich werden Konserven nicht nach Vorlage eines Blutspendeausweises oder dem Ablesen vom T-Shirt angehängt. Das erfolgt zumindest erst nach einer schnellen Überprüfung der Blutgruppenverträglichkeit, dem sogennanten Kreuzblut- oder Bed-Side-Test.

Rhesus Bloodtype Shirt

Ob es den Machern wirklich um neue Ansätze in der Notfallmedizin ging, mag angesichts der limitierten Auflage auch dahinstehen. Aber schön sind die T-Shirts alle mal und den einen oder anderen werden diese T-Shirts sicher auch dazu bringen, über seine Blutgruppe und Blutspenden nachzudenken. Und das ist doch auch schon mal was.

Zu kaufen (für 24 € plus einmalig 5 € Versand) gibt es die T-Shirts bei www.rhesus.at.

PS: Ich bräuchte ein T-Shirt mit A pos, CMV negativ, mit 30 Gray bestrahlt. Aber was es damit auf sich hat, erzähl ich ein anderes mal.

Das Wetter ist einfach zu schön zum bloggen und meine Blutwerte laden auch nicht zum Nachdenken ein, daher nur ein schnell zusammen geklöppleter Eintrag.

Egal wie schlecht es mir geht: ich will heute noch mit Frank zum Wäldchestag.

Was es damit auf sich hat? Die Frankfurt Tourismus beschreibt es so:

Einzig in Frankfurt am Main ist der „höchste Pfingstfeiertag” der Wäldchestag, der Dienstag nach Pfingsten. Dieser Tag wird seit Jahrhunderten als der „Nationalfeiertag” der Mainmetropole begangen. Seit Generationen lassen „Jung und Alt” spätestens am Mittag Arbeit Arbeit sein und strömen mit „Kind und Kegel” zum Frankfurter Stadtwald, um „ihren” Wäldchestag zu feiern. Der Wäldchestag steht für Identifikation und Verbundenheit der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt. Er ist signifikantes Brauchtum und Teil des städtischen Lebens.

Wäldchestag mit Riesenrad

Soso, Brauchtum. Entstanden ist dieses Volksfest wohl mit der Einführung einer alljährliche Holzzuteilung an die Bürger der Stadt Frankurt; Wikipedia berichtet:

Der Stadtwald gehörte seit 1372 der Stadt Frankfurt, als Kaiser Karl IV. ihr zur Tilgung seiner Schulden Teile des Königsforstes Wildbann Dreieich abtrat. Seitdem war es den Frankfurtern an diesem Tag offiziell erlaubt, im Wald Holz für den Winter zu sammeln. Nach einer anderen Lesart fanden an diesem Tag Brennholzversteigerungen statt, und das Fest stellte den gemütlichen Teil nach deren Abschluss dar. Vermutlich brachten sich die Frankfurter Bürger und ihre Bediensteten, die am Wäldchestag in den Stadtwald zogen, Speisen und Getränke von zuhause mit. Wann aus diesem Brauch ein ausgelassenes Fest entstand, ist nicht genau bekannt.

Vor mehr als hundert Jahren sah das in etwa so aus:

Historischer Wäldchestag

Mittlerweile verfügen wir in Frankfurt auch über Zentralheizung und müssen nicht mehr mit dem Bollerwagen in den Wald ziehen, um es im Winter kuschelig zu haben. Der gemütliche Ausklang nach den Strapazen ist übrig geblieben und so ist das ganze nunmehr ein geselliges Volksfest im Wald. Heute sieht das dann so aus:

Buden auf dem Wäldchestag

Wie man unschwer auf dem Bild erkennen kann, ein auch bei Schwulen beliebtes Event. Für die gibt es auch den Regenbogenarea mit “Bühnen- und Partyprogramm für maximalen Partyspaß”. Das hört sich schlimmer an als es tatsächlich ist. Eigentlich ist es sogar ganz lustig. Nach dem verregneten Wäldchestag im vergangenen Jahr, gibt es diesmal sogar ein eigenes schwul-lesbisches Festzelt … aber das wird dieses Jahr nicht benötigt.

Sehr schön beschreibt den Wäldchestag ein Blogger aus der Nachbarschaft: Quikes Wohnzimmer

Hier noch ein paar weitere Fotos vom Wäldchestag (aufgenommen vom Frank):

Wädchenschiessen - Wäldchestag

Wäldchestag

Wäldchestag - Regenbogenarea

Frank, Didi und Roberto

Roberto, Didi und Frank in der Regenbogenarea

Anmerkung: Die Fotos vom Wäldchestag sind der Website der Tourismus+Congress entnommen.

Seit einigen Tagen bin ich wieder extrem schlapp und komme kaum aus dem Bett heraus. Etwa 400 m Fußweg aus dem Holzhausenpark zur Wohnung und das anschließend Treppensteigen haben mich am Freitag umgenietet. Es hilft nichts - ich brauche wieder Blut!

Blutspende

Die Ironie in der ganzen Situation: ich gehöre zu einer ‘Risikogruppe’ und darf deshalb weder Blut noch Plasma, Knochenmark, Organe, Sperma, etc. spenden. Geregelt ist dies im Transfusionsgesetz und den dazugehörigen Richtlinien vom Paul-Ehrlich-Institut in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer.

Entsprechend der letzten “Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie) gemäß §§ 12 und 18 des Transfusionsgesetzes (Novelle 2005)” vom 05.11.2005 sind in Deutschland

Personen, deren Sexualverhalten oder Lebensumstände ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten (HBV, HCV oder HIV) bergen

von der Blutspende ausgeschlossen. In einer Fußnote wird noch klargestellt, wer ein deutlich erhöhtes Risiko hat:

z. B. homo- und bisexuelle Männer, Drogenabhängige, männliche und weibliche Prostituierte, Häftlinge

Da es den meisten Angehörigen einer ‘Risikogruppe’ nicht auf der Stirn geschrieben steht, dass sie von der Blutspende ausgeschlossen sind, gibt es eine freiwillige Selbstauskunft. Zur wahrheitsgemäßen Auskunft wird da niemand gezwungen. Schon seit Jahren werden die Blutspenden aber auch mit dem PCR-Test untersucht, mit dem eine Hepatitis/HIV-Infektion schon nach wenigen Tagen festgestellt werden kann. Ich persönlich kenne eine ganze Reihe von Schwulen, die das Blutspenden als regelmäßigen und kostenlosen HIV, Hepatitis und Syphilis-Test nutzen. Und ich bin Ihnen dankbar für Ihr ‘Risiko-Blut’.

Blutspende

Warum dieser ganze Sermon? Ich habe mich über den Eintrag “Schwules Blut tut nicht gut” im Blog ‘Gay West’ geärgert. Der Beitrag erweckte den Eindruck, dass nur in Polen Schwule von der Blutspende ausgeschlossen wären. Und zwar nicht aus medizinischen Gründen:

Man könnte natürlich annehmen, es gehe dem polnischen Gesundheitsministerium gar nicht so sehr darum, Infektionen auszuschließen. Womöglich fühlen sich die Verantwortlichen unseres östlichen Nachbarn einfach nur nicht wohl mit der Tatsache, dass stramme polnische Heteros zukünftig mit schwulem Blut rumlaufen müssen. Denn wer weiß schon, ob man von schwulem Spenderblut nicht selber schwul wird?

Das Schwule auch in Deutschland von der Blutspende seit Jahren ausgeschlossen sind, wurde mittlerweile durch zahlreiche Kommentare zu dem Blog-Eintrag richtig gestellt; in einer Anmerkung ergänzt der Blogger dazu:

“Der Beitrag ist eine Anklageschrift gegen eine absurde Praxis, darauf ausgerichtet zu beschämen und durchaus auch um zu provozieren. Polen diente dabei als Aufhänger. Das war zumindest meine Intention. Und es hat funktioniert. Man redet wieder über den Blutspende-Bann.”

Achso, das war also nur Polemik? Ein bisschen Polen-Bashing um eine Diskriminierung gegen Schwule aufzudecken. Nee, schon klar.

Kleines Update: Ich habe zu dem Thema ‘Schwule dürfen kein Blut spenden’ noch ein wenig recherchiert. Wenn man dem FOCUS Glauben schenken mag, sind auch die Blutspendedienste von dem kategorischen Ausschlusss von Schwulen nicht mehr überzeugt:

“Wir setzen nur um, was der Gesetzgeber vorschreibt”, erklärt dazu Lübbo Roewer, Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuz, gegnüber FOCUS Online. Und das ist in diesem Falle das Transfusionsgesetz. Es soll den Empfängern einer Blutspende größtmögliche Sicherheit garantieren.

Das scheint zu funktionieren: Tatsächlich ist das Risiko, sich an gespendetem Blut mit HIV anzustecken, verschwindend gering: „Es liegt bei eins zu 1,5 Millionen - die Gefahr, dass einem die Decke auf den Kopf fällt, ist größer”, so Lübbo Roewer.

Das garantieren aber nicht die strengen Auswahlkriterien für Spender, sondern die modernen Testverfahren, die HI-Viren zuverlässig aufspüren. Denn die Angaben der Spender zum Sexleben oder Krankheitsgeschichte werden nicht überprüft.

Hat Herr Roewer jetzt gesagt, dass die Selbstauskunft sowieso nicht beachtet wird? Oder dass durch die PCR-Diagnostik eine ausreichende Sicherheit gewährleistet wird?

Übrigens gibt es auch einen Verein, der sich dafür einsetzt, dass Schwule das Recht zu einer lebensrettenden Blutspende und/oder Plasmaspende bekommen - Schwules Blut e.V.

Anmerkung: Das obere Foto mit den Blutspende-Beuteln stammt aus dem Flickr-Album von Montuno, das mittlere Bild mit dem Venenezugang stammt aus dem Flickr-Album von BW Jones, das untere Bild ‘Prima Blut’ stammt aus dem Flickr-Album von Francisca Bravo - alle stehen unter der Creative Commons Lizenz.

Wer in den 90ern ein Weblog führte konnte sich zur ‘digitalen Elite’, als Vorreiter ansehen. Zumindest setzte man sich Ende des letzten Jahrtausends von seinen Mitmenschen deutlich ab, die größten Teils noch kein Internet, geschweige denn DSL hatten. Mein Ex-Freund hatte (mit meiner gelegentlichen Unterstützung) lange vor ‘Big Brother’ der Öffentlichkeit einen Einblick in unser kleines schwules Leben ermöglicht. Nach ungefähr einem Jahr beendeten wir das Projekt ‘Tagebuch’ - wir wollten nicht jede Befindlichkeit vor unseren mitlesenden Freunden ausbreiten.

Wer sich heute innovativ von seinen Mitmenschen absetzen möchte, greift zur Videokamera und veröffentlicht sein Leben bei Youtube oder anderen Videoportalen. Wer hätte gedacht, das man dort auch Clips zu Aplastischer Anämie findet. Deutlich von den Strapazen und Schmerzmitteln gezeichnet berichtet dort James Price von dem Einsetzen seines Hickman-Katheters am vorherigen Tag:

Ganz ehrlich: so bewegend so ein Eintrag auch für die Mitmenschen sein kann, mir ist er etwas zu persönlich.

Ein anderer Clip bei YouTube zeigt eine Auto-Versteigerung. An sich nichts spektakuläres, wenn es nicht ein Fundraiser für die Kosten einer Knochenmarktransplantation wäre. Sarah leidet unter einer durch PNH verursachten aplastischen Anämie - zu ihrem Glück steht mit ihrer Zwillingsschwester Chelsea eine perfekte Spenderin bereit. Den Clip kann man hier sehen, mehr Informationen über die beiden und den Verlauf der Transplantation erhält man in ihrem Blog.

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